planetary health diet

Ein neuer Speiseplan, der Menschen und die Erde rettet

Viel Gemüse, viele Nüsse, wenig Fleisch: Mit der richtigen Ernährung könnten wir als Menschheit Millionen Tote jährlich verhindern – und die Zerstörung des Planeten.

Wie viel wiegt eigentlich ein Ei? Oder anders gefragt: Wie viel Ei sind 13 Gramm? Diese Menge sollten alle Menschen der Welt täglich ungefähr zu sich nehmen, um gesund zu bleiben und die Umwelt zu schonen. Dazu 50 Gramm Nüsse, 75 Gramm Hülsenfrüchte, 28 Gramm Fisch, 14 Gramm rotes Fleisch, 29 Gramm Hühnchen, 250 Gramm Milchprodukte, 232 Gramm Getreide. Und vor allem: 500 Gramm Obst und Gemüse.

Dieser Speiseplan ist das Ergebnis einer groß angelegten Forschungsarbeit, deren Resultate heute veröffentlicht wurden (The Lancet: Willett et al., 2019). 37 Forscherinnen und Forscher aus 16 Ländern entwarfen die sogenannte planetary health dietplanetary, weil sie die natürlichen Grenzen des Planeten berücksichtigt und für alle Menschen auf der Erde gelten soll; health, weil es eben nicht nur um den Planeten geht, sondern auch darum, Krankheiten wie Herzinfarkte und Diabetes, die durch falsche Ernährung wahrscheinlicher werden, vorzubeugen. Elf Millionen frühzeitige Tode könne die Diät so jährlich verhindern, sagen die Forscher.

„Was wir essen und wie wir es produzieren, entscheidet über die Gesundheit der Menschen und des Planeten. Und wir machen gerade einen ernsthaften Fehler“, sagt Tim Lang, einer der Studienautoren von der University of London. Und so fordert der Bericht tatsächlich einen radikalen und schnellen Wandel. Weltweit müsste der Verzehr von rotem Fleisch und Zucker um die Hälfte reduziert werden. Deutsche müssten – nimmt man die Zahlen des Bundesverbands der Fleischwarenindustrie – nur noch ein Zehntel dessen an Fleisch essen, was momentan üblich ist.

Mensch und Umwelt als gemeinsamer Maßstab

Um zu erreichen, dass Menschen ihre Essgewohnheiten so massiv ändern, brauche es die Mitarbeit von Politikerinnen auf allen Ebenen, sagt Richard Horton, Chefredakteur von The Lancet. Der Bericht zeigt aber zudem, dass sich nicht nur die Zusammensetzung der Lebensmittel auf unserem Teller verändern muss, sondern auch die Landwirtschaft. Sie müsse unter anderem nachhaltiger werden und auf fossile Brennstoffe verzichten, um den Verlust der Biodiversität mit allen Mitteln zu stoppen. Es geht also darum, sicherzustellen, dass das, was Menschen essen, auch aus nachhaltigem Anbau kommt. Außerdem müsse die Verschwendung von Lebensmitteln um 15 Prozent verringert werden.

Im Wesentlichen stehen die Forderungen des Berichts im Einklang mit dem, was Umweltorganisationen seit Jahren sagen. Auch die Auffassung einer gesunden Ernährung deckt sich in etwa mit der der Weltgesundheitsorganisation. Neuartig an der planetary health diet ist jedoch, Mensch und Umwelt zum gemeinsamen Maßstab zu machen.

Hinter dem Bericht steht die sogenannte EAT-Lancet-Kommission, die aus Expertinnen und Experten für Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und Landwirtschaft besteht und gegründet wurde, um die wissenschaftliche Grundlage für eine Transformation des globalen Ernährungssystems zu schaffen. Neben der Fachzeitschrift Lancet sind das unabhängige Forschungsinstitut Stockholm Resilience Centre und die norwegische NGO EAT daran beteiligt.

Bleibt einzig die Frage, wie viel 13 Gramm Ei sind. Ungefähr ein Viertel eines Eis der Klasse M. Guten Appetit.

Quelle: Zeit Online