Insekten – (K)eine alltägliche Kost

Käfer, Raupen, Heuschrecken, Termiten: Diese bisweilen fremd anmutende Kost hat einiges zu bietend – ernährungsphysiologisch und auch sensorisch.

Was der Bauer nicht kennt, das (fr)isst er nicht. Dieses altbekannte Sprichwort beschreibt treffend das mehr von Skepsis als von Neugierde geprägte Essverhalten unserer Ahnen und Urahnen. Dieser evolutionär und genetisch bedingte Schutzmechanismus scheint heutzutage überholt zu sein. Und so haben für manch einen auch Krokodil-Steak und Sushi längst an Exotik und damit an Reiz verloren. Ihnen mag ein Angebot gerade recht kommen, das seit einiger Zeit aus süd-östlichen Gefilden auf den europäischen Markt drängt: Käfer, Raupen, Heuschrecken, Termiten – kurz: Insekten in allen erdenklichen Zubereitungsformen, selten roh, meist gegrillt oder geröstet oder schlicht getrocknet.

Abenteuer Essen
Essbare Insekten sind hierzulande insbesondere über das Internet erhältlich. Im klassischen Supermarkt wird man dagegen nicht fündig, sehr wohl aber in der Gastronomie. Dort wächst das Angebot und wird immer vielfältiger – angefangen von der „gegrillten Heuschrecke“ zum Probierpreis für 1,50 Euro das Stück, über den „Gemischten Insekten-Teller“ bis hin zu „Käferlarven auf Nachos mit Guacamole“. Den Angebotsvarianten sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Kein Wunder. Denn die die bisweilen fremd anmutende Kost hat einiges zu bieten – ernährungsphysiologisch und auch sensorisch: So gilt sie einerseits wegen ihres hohen Eiweißgehalts als mögliche Fisch- oder Fleischalternative, andererseits erinnern frittierte oder gegrillte Insekten an Chips, Kräcker oder – wohl auch geschmacklich – an Nüsse.

Insekten als Grundnahrungsmittel
Zumal es für weltweit rund zwei Milliarden Menschen vollkommen normal ist, Insekten zu essen. In vielen Ländern Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und Australiens zählen essbare Insekten zu den Grundnahrungsmitteln und sind nicht etwa eine leidige Notlösung mangels alternativer Nahrungsquellen. Dabei sind die geschmacklichen Vorlieben je nach Land und Region sehr unterschiedlich: Während in Afrika bevorzugt Raupen auf dem Teller landen – im Kongo etwa verzehrt jede Familie im Schnitt 300 Gramm wöchentlich – gelten in Südostasien der Sagowurm und die Eier der Weberameise als Delikatessen. Insgesamt sind weltweit mehr als 1900 essbare Insektenspezies bekannt.
Roh geknabbert oder fettarm zubereitet ist Gemüse immer die beste Wahl. Für Gemüsechips und andere Snacks gilt deshalb: Besser nur ab und zu und in Maßen! Doch Gemüse- und Kartoffelchips lassen sich auch leicht selbst herstellen. Dabei hat man es selbst in der Hand, wie viel Fett in den Chips steckt. Auch lassen sich die Gewürze je nach nach Geschmack variieren.

Zukunftsszenarien
Die Idee, den Insektenverzehr auch in westlichen Industrienationen aus der Exotennische zu holen, rückt seit einiger Zeit zunehmend in den Fokus der Forschung und Politik. Dabei geht es insbesondere um die globale Nahrungssicherung – unter dem Aspekt der Bedarfsdeckung einerseits und der erforderlichen Ressourcenschonung andererseits. Dass dabei allerdings noch einige Hürden zu nehmen sind, zeigt eine Verbraucherbefragung, die von Oktober 2013 bis März 2014 im Rahmen des EU-Forschungsprojekts PROteINSECT durchgeführt wurde: Untersucht wurde, ob sich Fliegenlarven als Proteinquelle für Tierfutter eignen. Ein guter Ansatz, meinen 66 Prozent der rund 1.300 Befragten – zumindest theoretisch. Denn mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) lehnt Geflügel- oder Schweinfleisch ab, zu dessen Gewinnung Insekten verfüttert wurden. Überwiegend wurde diese Haltung mit einem Mangel an Informationen begründet.

Quelle:
aid – Trendlebensmittel 09.05.2016
Fachartikel Ernährung im Fokus 07-08-/2014:
Hui oder pfui: Insekten in der menschlichen Ernährung